HörGut | Wolkensein, Tiefseemein, Erdendein

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Transkript

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00:00:00: Kapitel Sechsund Siebzig.

00:00:03: Lulu war immer noch da, aber nur sehr zart – wie ein sanfter Streif aus luftigem Weiß schwebte sie über Pimpfs Schulter!

00:00:13: Das Flackern war vorüber die Verbindung zwischen ihnen beiden hergestellt doch sie hing sprichwörtlich am seitenden Faden und sie beide wussten es.

00:00:23: ihr Abschied stand bevor.

00:00:26: Arthur und Lulu waren In den Kern, all dessen vorgedrungen der Kalles Großvater ein Leben lang vor seine größte Prüfung gestellt hatte.

00:00:36: Eine Prüf- funk, die er sich immer wieder entzog und dieses Ausweichen war der Grund warum er Lulu so gut hatte kennenlernen dürfen.

00:00:46: Der Grund warum sie zur Regierungssprecherin seiner Unruhe heranwuchs.

00:00:52: Ja, heranwachsend konnte!

00:00:55: Als ich Arthur und Lulu das erste Mal trafen Saß sie tatsächlich in seinem Schrank.

00:01:01: Der damals elfjährige hörte es poltern und rumoren, und er versteckte sich unter seiner Bettdecke in der Hoffnung die unheimlichen Geräusche mögen aufhören.

00:01:12: Er zitterte nicht weil ihm kalt war sondern weil er Angst hatte Angst vor dem was da im schrank saß Denn nie zuvor hat er etwas in seinem schrank gesessen.

00:01:24: Er linste mit einem Auge unter der Bettdecke hervor und sah einen Schatten, der aus dem Spalt zwischen den Türen heraus ins unendliche Wuchs.

00:01:37: Der erwachsene Arthur verstand das bis heute als eine Art Metapher.

00:01:43: Er selbst ließ diesen Schatten wachsen – er ließ es zu, dass er groß und größer wurde!

00:01:51: Und Lulu ihm immer wieder auflauerte.

00:01:54: Seine Städte.

00:01:55: Unruhe war die Einladung für ihre Freundschaft.

00:02:00: Und so verband sich über die Jahre mit Lulus Anwesenheit auch etwas Beruhigendes.

00:02:07: Seine Unruhre war ihm vertraut geworden, sie hatte sich ihm so oft in all den Jahren gezeigt.

00:02:14: fast hat er sich an Sie gewöhnt und damit eben auch an Lulu.

00:02:19: Nie hatte er sich die Frage gestellt ob sie jemals verschwinden würde.

00:02:24: Er hatte seine Unruhe und alle Ängste, die sich damit verbannten einfach akzeptiert.

00:02:30: Sich abgelenkt, sich seine eigene Geschichte erzählt warum sie überhaupt entstanden war.

00:02:37: Diese Geschichte hat er an seinem Selbstbewusstsein genagt An dem Glauben an sich Aber auch daran hatte er sich gewöhnt.

00:02:46: Jedenfalls glaubte er das denn es war Teil seiner Geschichte nicht an sich zu glauben.

00:02:53: Nun stand der alte Arthur im Zimmer des jungen Arturs mitten, im Ursprung all dessen was seine Unruhe final ausgelöst hatte und bis heute zu seiner Begleiterin machte.

00:03:06: Schatz!

00:03:07: Lass den Jungen auch mal etwas machen.

00:03:10: Hörte er die Stimme seines Vaters durch den Türspalt?

00:03:14: Du bist zu streng mit ihm.

00:03:16: Wie kann ich zu stregn mit ihm

00:03:18: sein?!

00:03:18: Aus ihm soll doch mal was werden!

00:03:21: Wie soll etwas aus ihm werden, wenn du ihn nicht seine Erfahrungen machen lässt?

00:03:26: fragte der Vater die Mutter.

00:03:29: Was werde ich ihnen machen lasse und dass seinem Bruder schadet.

00:03:34: Wie sollte Arthur Yonte auch nur ein Haar krümmen?

00:03:38: Er liebt ihn, siehst du das nicht.

00:03:40: Er ist der umsichtigste kleine Kerl den ich je gesehen habe!

00:03:44: Er geht vorsichtiger mit Yonte um als wir es tun.

00:03:47: Er hält ihn, er hebt ihn wenn er fällt.

00:03:50: Er erklärt ihm die Welt – obwohl Yonte noch so klein

00:03:53: ist.".

00:03:54: Was mehr könnte man sich von einem großen Bruder wünschen?

00:03:59: Dem erwachsenen Arthur schwolle die Brust.

00:04:02: Er hatte diese Erinnerung seit über fünfzig Jahren nicht mehr durchlebt.

00:04:08: Du hast sie weggeschlossen, solltest du Lulu?

00:04:12: Ich habe sie dir immer wieder zeigen wollen aber ... du hast dich abgewendet!

00:04:17: Ich weiß, flüsterte Arthur und diesmal war es eine stille Träne die ihm über die Wange ran.

00:04:25: Dein Vater hat große Stücken auf dich gehalten Artur, raunte Lulu und Arthur nickte.

00:04:31: Sein Vater war immer auf seiner Seite gewesen.

00:04:35: Wieder rumpelte es im Schrank und der kleine Arthur zog seine Nase zurück unter die Decke.

00:04:41: Das Gespräch vor der Tür ging weiter.

00:04:44: Letztens hat er Jonte eine Gruselgeschichte zur Nacht erzählt, schimpfte die Mutter.

00:04:50: «Das Kind ist kaum auf der Welt und schon lernt es diesen Horror kennen!

00:04:54: Sag mir wie ich Arthur vertrauen soll wenn er nicht allein bemerkt dass das nicht gut ist.».

00:05:00: Er isst ein Kind – er muss noch vieles lernen.

00:05:04: Du sagst es, meine Rede!

00:05:07: Er kann uns nicht helfen.

00:05:08: Er ist zu

00:05:09: klein.".

00:05:11: Seine Mutter hatte die Stimme gegen den Vater erhoben.

00:05:14: sie schien sehr erregt und das Rumpeln im Schrank wurde lauter.

00:05:20: Er kann es nicht lernen wenn du ihn nicht lernen lässt.

00:05:24: auch Die Stimme des Vaters präsentierte sich nun fester.

00:05:28: Du gibst ihm das Gefühl nutzlos zu sein Und ich werde das nicht länger zulassen.

00:05:34: Ach ja?

00:05:35: Was willst du tun, ihn mehr

00:05:36: wegnehmen?".

00:05:38: Der Vater liest die direkte Antwort aus und entschied sich für einen Umweg.

00:05:45: Hast Du Dir schon mal die Frage gestellt was das alles mit Dir zu tun hat?

00:05:50: Du machst das nicht nur mit Arthur sondern auch mit mir!

00:05:53: Nichts was ich tue ist gut genug für Dich.

00:05:57: Die einzige der Du vertraust bist Du Und Du weißt nicht mal warum.

00:06:03: Arthur Klein und Arthur Groß hörten einen Stuhl im Nebenzimmer Scharren.

00:06:08: Offensichtlich hatte sich die Mutter in ihrer Rage erhoben, na schau einer an!

00:06:14: Aber du weißt warum ja?

00:06:16: Du kannst in mich hinein sehen und mir sagen was mir

00:06:19: fehlt?!

00:06:20: Der Vater klang nun wieder ruhiger.

00:06:23: Ja das kann ich denn ich kenne dich dein Leben lang.

00:06:27: Ich habe gesehen wie du deine Eltern verloren hast und ihre Rolle übernehmen musstest.

00:06:32: Viel zu früh, viel zu fehl.

00:06:34: Verantwortung!

00:06:36: Du bist so einer starken Frau geworden eine Frau die ich immer bewundert habe Und für dich irgendwann mehr als nur Freundschaft empfand.

00:06:46: Aber du hast mit all dieser Last dein Vertrauen in andere gehen lassen In mich?

00:06:53: In Arthur?

00:06:55: In alle.

00:06:57: Da Arthur seine Mutter gut kannte musste er ihren hochroten Kopf nicht sehen, um zu wissen dass sie in diesem Moment vor der Tür Gift und Galle sprühte.

00:07:10: Ich habe jahrelang versucht dir das klarzumachen dich aufzufangen dir zu zeigen dass du nicht allein bist.

00:07:18: Du kannst diese Hilfe nie annehmen!

00:07:20: Du hast nur noch dir selbst vertraut und du bist auf dem besten Weg deine Geschichte auf Arthur zu übertragen.

00:07:28: Raus schrei die Mutter Und beide Artus zuckten zusammen.

00:07:33: Verschwinde aus meinem Leben!

00:07:36: Nichts schien Artus' Mutter mehr zu halten.

00:07:40: Macht ihr keinen Kopf?

00:07:41: Ich gehe freiwillig, entgegnete der Vater mit aller Besonnenheit die er aufbringen konnte.

00:07:47: Ich gehe, wiederholte er.

00:07:50: Aber du wirst unserem Sohn nicht beibringen dass er zu nichts zu gebrauchen ist so wie du das mit mir gemacht hast.

00:07:58: Ich verstehe nur zu gut, woher dein Schmerz kommt.

00:08:01: Aber du musst dich ihm stellen!

00:08:05: Du gibst deinen Söhnen die falschen Werte mit!

00:08:08: Hau

00:08:08: ab!"

00:08:09: schrie die Mutter erneut.

00:08:12: Draußen knarrte eine Tür offenbar die Haustür, die geöffnet wurde und dann gab es einen lauten Knall als sie wieder zuschlug.

00:08:21: Danach begann Arthur's Mutter zu weinen.

00:08:24: Sofort sprang der kleine Arthur aus dem Bett und rannte in den Flur.

00:08:29: Der erwachsene Arthur und Lulu gingen hinterher.

00:08:33: Mama, nicht weinen bitte!

00:08:36: Das wird schon wieder – ich bin ja auch noch

00:08:38: da!".

00:08:40: Er legte seiner Mutter vorsichtig ja fast ängstlich seine Hand auf die Schulter doch sie schlug sie fort.

00:08:48: Du?

00:08:49: Du bist der Grund warum er gegangen ist.

00:08:52: Wenn du nicht ständig versuchen würdest uns zu helfen dann müssten wir uns auch nicht streiten.

00:08:58: Der kleine Arthur stand wie vom Donner, gerührt seiner Mutter gegenüber und konnte nicht glauben was sie gerade gesagt hatte.

00:09:05: Aber Papa hat doch gesagt dass ich vorsichtig bin, vorsichtiger sogar als ihr!

00:09:11: Der Blick seiner Mutter traf ihn scharf und er gebot ihm zu schweigen.

00:09:16: Geh in dein Zimmer, sagte sie bestimmt aber nun etwas leiser.

00:09:22: Arthur traute sich nicht mehr zu atmen und verschwand in sein Bett.

00:09:27: Er war zuschockiert um zu weinen.

00:09:30: Und deshalb sah er sehr klar, dass die Tür seines Schrankes nun offen stand.

00:09:37: Aber wer hatte sie geöffnet?

00:09:40: Machte es und Lulu platzte aus dem Schrank!

00:09:43: Sie wuchs und wuchs bis sie direkt vor ihm auf seiner Bettdecke saß – größer als er, grelleuchtend, furchteinflößend….

00:09:52: Das war der Moment in dem du den Glauben an dich hast gehen lassen … Indem du mir Deiner Unruhe immer mehr Platz einräumt ist und die Worte deines Vaters vergessen hast.

00:10:05: Worte der Wahrheit.

00:10:08: Der erwachsene Arthur blieb ganz still, er hatte keine Tränen mehr übrig, die er um den kleinen Arthur weinen konnte.

00:10:17: Seine Eltern hatten sich kurz darauf scheiden lassen das Sorgerecht aufgeteilt und weiterhin viel gestritten.

00:10:23: Die Sorge um den kranken Jonte machte die Situation kaum besser.

00:10:28: Jahre später war er gestorben.

00:10:31: Dein Vater hat dir immer wieder versucht zu sagen, was für ein toller Junge du bist – erinnerte ihn Lulu.

00:10:38: Aber du hast nie mehr richtig zugehört!

00:10:42: Auch das wusste der große Artur heute denn jetzt konnte er es in aller Deutlichkeit sehen und Yontes Tod war für uns alle das Ende von allem.

00:10:55: Es stimmt ich habe ihn nicht beschützen können.

00:10:59: Jedoch lag es nie in meiner Macht.

00:11:03: Arthur sprach diese Worte zum ersten Mal in seinem Leben aus, ja hatte er sie zum ersten mal überhaupt gedacht und offenbar lag es nicht in der Macht deiner Mutter sich ihre eigene Geschichte anzuschauen.

00:11:20: Faste Lulu die schlichte Wahrheit zusammen.

00:11:23: Niemand kann etwas für die Schatten, die seine Vergangenheit wirft.

00:11:28: Allerdings können wir sie uns in der Gegenwart anschauen, um in Zukunft ins Licht zu treten.

00:11:36: Es ist eine Chance vor der manche allzu große Angst haben.

00:11:41: Deine Mutter konnte sich ihren Schatten niemals stellen – du hingegen hast deine Chance

00:11:47: genutzt.".

00:11:49: In diesem Moment verschwand Lulu in einem Schwall von Erinnerungen, der über Arthur hereinbrach so als hätte jemand ein ganzes Paket an Luftballons über ihm ausgekippt.

00:12:01: Jeder gespickt mit einer wunderbar bunten Erinnerung, die ihn mit Jonte verband.

00:12:08: Kalles Paket hatte ihn sprichwörtlich erreicht – denn endlich war Pimpfs Geist offen um dieses Geschenk zu empfangen!