00:00:00: Kapitel siebenundsechzig.
00:00:03: Was für ein markelloser Tag, dachte Rufus?
00:00:08: Markellos weil jene Linie am Horizont so perfekt zwischen Himmel und Ostsee gezogen war.
00:00:15: Blau auf blau verschiedene Töne die sich optisch voneinander abzeichneten und doch zusammengehörten.
00:00:24: Ein Übergang zwischen hier und dort, zwischen oben und unten.
00:00:28: Zwischen dem was man sehen konnte und was das Auge nicht mehr erreichte.
00:00:34: Etwas Unergründliches hatte das an sich Phantrophus.
00:00:38: Stets fragte er sich was wohl gerade hinter dem Horizont sei – hinter dem was er sehen konnte?
00:00:46: Die eine Antwort darauf gab es nicht denn der Horizont war eine verschiebbare Linie.
00:00:53: Variabel!
00:00:54: je nachdem, wo man sich befand.
00:00:56: Es war unmöglich dahinter zu schauen – nicht vom Standpunkt des Betrachters aus nur wenn man seinen Standpunkt veränderte.
00:01:07: Rufus kratzte sich den Bart nahm sein Kepp zwischen die Hände und juckte sich mit den Fingern an den Schläfen.
00:01:15: er blinzelte in die Mittagssonne und lachte kurz in sich hinein.
00:01:19: Manchmal war er nahezu überrascht was für philosophische Gedanken ihn auf seinem Kutter allein auf See packten.
00:01:28: Er war früh am Morgen losgefahren, raus auf die Ostsee und war mit einem guten Fang wieder heimgekehrt, den er nun auf dem Markt in Fisbee verkaufen würde.
00:01:39: Ihm gefiel seine Arbeit – das ruhige, dass langsame, dass mit sich sein, dass dahin plätschende.
00:01:47: Nie hatte er sich gefragt ob Dahinter, also hinter seinem Horizont noch mehr für ihn lag.
00:01:56: Er war zufrieden mit dem was er hatte – zufriedend mit dem, was ist und was war!
00:02:02: Er war eins mit sich.
00:02:05: Etwas das nur ganz wenige Menschen fanden.
00:02:09: Er stand auf den Holzbalken seines Bootes und steuerte den Hafen von Fisbi an.
00:02:15: Der Motor knatterte.
00:02:17: Salz-und Wind flogen ihm um die Nase.
00:02:20: Möwen folgten seinem Weg und hofften, ihm seinen Fisch stiebitzen zu können.
00:02:26: Er legte an, vertaute seinen Kutter, winkte seinen Kollegen zu und begann mit dem Abladen seines Fangs.
00:02:34: Rufus schleppte einen schwarzen Gummialmer nach dem anderen von Bord und verscheuchte all die Möven, die um seinen Kopf flogen – und sogar keinen Respekt vor ihm zu haben schienen!
00:02:46: Als alles auf seinem Pickup verladen war, wechselte er seine Kleidung, schwang sich hinter das Steuer und fuhr in die Altstadt.
00:02:54: Kopfsteinpflaster rumpelte unter seinen Rädern – und dieses Rumpeln erinnerte ihn zum ersten Mal wieder an die Explosion vor einigen Tagen.
00:03:05: Irgendetwas hatte Fridolin zerstört!
00:03:09: Unmengen an rotem kochendem Wasser in die Küche gespült… Und seinen Vater und seinen Sohn in eine Art Traums versetzt.
00:03:21: Er fragte sich, was Kalle Pimpf und die Mädchen getan hatten, ob sie vielleicht mit chemischen Substanzen handiert hatten oder wie um Himmels Willen etwas derartiges hatte geschehen können?
00:03:36: Eine kleine Träne wollte sich ihren Weg aus seinem rechten Auge bahnen doch erblinzelte sie weg.
00:03:42: Es gab keinen Grund für Trauer Denn seine Familie lebte, sie atmete und solang sie das tat bestand Grund zur Hoffnung.
00:03:52: Er war nicht der Typ, der sich Sorgen machte.
00:03:55: Er handierte mit Tatsachen.
00:03:57: Und Tatsache war ... dass die Ärztin bestätigt hatte, dass Arthur und Kalle körperlich vollkommen gesund waren.
00:04:04: Daran wollte er sich halten wie lang auch immer ihr Schlaf dauerte.
00:04:10: Plötzlich riss ihn etwas aus seinen Gedanken, etwas Vertrautes!
00:04:16: Lila, hallo!
00:04:18: Schatz, pass doch
00:04:19: auf!"
00:04:20: rief er durch das offene Fenster seines Wagens und bremste.
00:04:24: Zufällig waren ihm seine Frau und Adolfus sprich wörtlich vor's Auto gelaufen.
00:04:29: Scheinbar tief versunken in ihr Gespräch.
00:04:32: Es dauerte einen Moment bis sie erkannten wer danach ihnen gerufen hatte.
00:04:38: Schnell sprangen sie beiseite und ließen Rufus am Straßenrand parken.
00:04:43: Wie gehts euch?
00:04:45: den Umständen entsprechend, entgegnete Lila und gab ihrem Mann einen Kuss.
00:04:50: Wir versuchen uns abzulenken – habe ich auch gemacht!
00:04:54: Rufus streichelte Lila über den Arm mit dem sie sich an sein Auto lehnte.
00:04:59: Die Fische haben heute Morgen gut gebissen und die See eröffnet mir immer wieder neue Perspektiven.
00:05:06: Bei diesen Worten zuckte Adolfos merklich zusammen.
00:05:11: Schon wider stupste sie jemand auf etwas Wesentliches der völlig ohne Magie auskam, so wie Helmi ihnen naiv die absolut richtige Frage gestellt hatte.
00:05:24: So war es nun Rufus, der sie daran erinnerte, wie man zu Antworten fand und zwar indem man seinen Blickwinkel veränderte.
00:05:34: Adolfos schaute zu Lila und wusste sofort dass sie das selbe dachte.
00:05:39: Vielleicht mussten Sie in die Tiefsee um ihre Antwort zu finden Eine andere Sichtweise gewinnen, die ihnen hoffentlich aufzeigte wie sie den Riss reparieren konnten.
00:05:53: Womöglich war er gar dort unten entstanden!
00:05:58: Letzterer Gedanke streifte Adolfus nur flüchtig – dann holte ihn Rufus zurück.
00:06:15: Ich glaube, ich bin einfach gefangen in den jüngsten Ereignissen.
00:06:20: Nimm es mir bitte nicht übel!
00:06:21: Ach was?
00:06:23: Wieso sollte
00:06:23: ich?!
00:06:24: Aber etwas völlig anderes.
00:06:27: und dabei wühlt Rufus auf dem zugemüllten Beifahrersitz herum... Ich habe beim Aufräumen eine Zeichnung unter Friedolin gefunden.
00:06:38: Sie zeigt einen Wahl.
00:06:41: Ich dachte du hättest sie vielleicht gern wieder lila.
00:06:44: Etwas ramponiert, aber ich weiß ja wie sehr du deine Zeichnungen liebst und sie hortest.
00:06:51: Oh!
00:06:52: Das ist lieb von
00:06:53: dir!"
00:06:53: entgegnete Lila auf richtig überrascht.
00:06:56: Aber das ist nicht
00:06:57: meine.".
00:06:58: Dann hat sie vielleicht Wilma verloren?
00:07:00: bemerkte Rufus.
00:07:02: Ich wüsste niemanden sonst der so gut malt als ihr zwei.
00:07:06: Ich gebe sie ihr gern wenn ich sie das nächste Mal sehe, sagte Lila.
00:07:14: kam es von Rufus, der seinen Motor wieder anschmiss und weiterfahren wollte.
00:07:19: Ich muss los!
00:07:20: Sonst macht er Markt zu bevor ich auch nur eine Makrile verkauft habe.
00:07:23: Ich sehe euch dann
00:07:24: später.".
00:07:26: Damit verließ er die Parklücke während ihm Lila und Adolfos hinterherwinken.
00:07:32: Sie wussten nun was sie zu tun hatten.
00:07:35: Sie mussten in die Tiefsee – nur wie?
00:07:40: Da sie doch vor ihren Augen zerborsten war.