HörGut | Wolkensein, Tiefseemein, Erdendein

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Transkript

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00:00:00: Kapitel neunundfünfzig.

00:00:03: Von einem Moment auf den anderen begann es mächtig in Baho zu ruckeln, die Wände bebten der Boden schüttelte sich und Kalle wurde beinahe dorthin geschubst wo Baho ihn ganz offenbar haben wollte.

00:00:17: ein neuer Film einen neuer Ort eine andere Zeit Und Kalle lief ein Blitz den Rücken herunter denn sie befanden sich auf einem Friedhof.

00:00:29: Kalle wollte sich abwenden und bei all den positiven Bildern fahren, die er gerade noch im Leben des Großvaters hatte sehen dürfen.

00:00:38: Die ihn so fröhlich und warm stimmten.

00:00:42: doch der Bruch hin zu dem was er jetzt sah war nur allzu real und brutal.

00:00:51: Stumm richteten sich die Augen das Großvater auf einen Grabstein.

00:00:57: Jonte Molander stand dort viel zu früh von uns genommen, viel zu Früh von uns

00:01:04: gegangen.".

00:01:05: Kalle stockte der Atem.

00:01:07: Pimpfs Bruder war gestorben!

00:01:11: Wann?

00:01:12: Und warum hatte sein kleines Herz es doch nicht

00:01:16: geschafft?!

00:01:18: Kalle liefen die Tränen – er musste den Schmerz des Großvaters nicht sehen um ihn fühlen zu können.

00:01:26: und mit seinen Träinen verschwammen die Tränen im Film.

00:01:30: Auch Arthur Molander weinte in seiner Erinnerung.

00:01:34: Fast meinte Kalle ebenso ein Schniefen der Tuba hören zu können.

00:01:40: Kalle sah die Hände des Großvaters, die sich nun in die Erde des Grabes schoben und schiere Verzweiflung bedeuteten.

00:01:50: Ich konnte dir nicht helfen!

00:01:52: hörte er den jüngeren Pimpf?

00:01:54: ich konnte es nicht.

00:01:56: Pimpff weinte und schrie.

00:01:58: dann sah er sich um vermutlich in Angst ob ihn jemand gehört hatte, oder ob er zu laut gewesen war an diesem Ort der Stille.

00:02:07: Ich hab's versucht,

00:02:08: Junthe."

00:02:09: Wimmerte der Großvater nun etwas leiser.

00:02:12: Aber Mutter hatte wie immer recht.

00:02:15: »Ich konnte dich nicht beschützen!

00:02:16: Ich konnte es nie!«.

00:02:17: – ich war von Anfang an nutzlos.

00:02:22: Pimpsworte schmerzten Kalle zutiefst.

00:02:26: Anhand des Klangs seiner Stimme versuchte Kalle zu verstehen, wie alt der Großvater wohl zu diesem Zeitpunkt gewesen war.

00:02:35: Wann war Jonte verstorben und was hatte letztendlich dazu geführt?

00:02:40: Und wieso sprach niemand in seiner Familie darüber?

00:02:45: Was für eine furchtbar traurige Geschichte!

00:02:49: Wie gern hätte er seinen Großvaters jetzt in den Arm genommen In diesem Moment seiner Erinnerung ganz allein war.

00:03:02: Er wünschte, er wäre damals dabei gewesen und hätte ihm sagen können dass es nie in der Macht des Großvaters gelegen hatte das Leben des kleinen Jonte zu beschützen.

00:03:15: Kalle hätte neben ihm gestanden, hätte seine Hand gehalten und ihn wissen lassen Das Pimpf seinem Bruder so viele schöne Momente beschehrt hatte Momente die Kalle gerade noch im Erinnerungsarchiv von Bajo hatte sehen dürfen.

00:03:32: Pimpf fügte wunderbares zu Jontes Leben hinzu und er war dessen großer Held, sein Beschützer, sein Lehrer, seinen Ratgeber.

00:03:43: Kalle empfand hier und jetzt so viel Wärme und Dankbarkeit dass Pimpff sein Opa war.

00:03:50: Dankbarheit das er zu seinem Leben gehörte.

00:03:53: dankbarkeit daß er ihn mit auf diesen Gehörgang genommen hat dass er ihm sein ganzes Wesen und seine ganze Geschichte hatte zeigen wollen.

00:04:03: Wie mutig, dachte der Junge!

00:04:06: Und diese Dankbarkeit initiierte eine magische Fantasie.

00:04:13: aus seinem Herzen heraus schickte Kalle einen riesengroßen Luftballon aus bunten Gedanken auf die Reise – Gedanken, die ein vollständigeres Bild der Brüder zeigten.

00:04:28: Und sinnbildlich gab er diesen Ballon seinem Großvater in der Erinnerung an die Hand.

00:04:37: Er schenkte ihm neue Energie, etwas Positives das Pimpf helfen würde diesen schrecklichen Moment mit anderen Blickwinkeln zu füllen.

00:04:48: Es war als ob Kalles Phantasie dem Großväter neue Perspektiven eröffnete und Erinnerungen freilegte, die dieser mit dem Tod von Jonte in sich begraben hatte.

00:05:09: Kapitel Sechzig Pimpf stand am Grab seines kleinen Bruders Und mit seiner physischen Rückkehr war auch das Gefühl von damals wieder da.

00:05:23: Sofort lag der schwerste Stein seines Lebens tief in seinem Bauch Unverrückbar unzerstörbar, schmerzhaft und unerträglich.

00:05:35: Pimpf war weiterhin in seiner Tiefsee unterwegs – weiter als er jemals in sie vorgedrungen war!

00:05:44: Die Erkenntnis dass er sich nun seiner Vergangenheit stellen wollte hatte ihm eine weitere Erinnerung eröffnet.

00:05:53: Tofu und Baho bei sich zu wissen verlieh'n den Mut dorthin dunkelsten Punkt seiner Seele, gehen zu können.

00:06:06: Einzimentiert war dieses Bild gewesen in Ketten gelegt und mit Sprengstoff versetzt.

00:06:12: Ein Zeitzünder hatte an diesem Bild gehangen dessen letzte Sekunden herunter liefen als der Großvater all seinen Mut zusammen nahm und sich dem traurigsten Moment seines Lebens wieder zuwandte.

00:06:27: Er hörte das Ticken und spürte den Rhythmus seines Herzens.

00:06:32: Das Ticken und sein Puls wurden eins, Und dann verschwand er in einer stummen Explosion.

00:06:39: Leise im Bild.

00:06:42: Ganz schwach nur flackerte Lulu noch neben ihm.

00:06:45: Auch sie war verstummt Als er am Grab von Yonte ankam.

00:06:51: Der Anblick nahm ihnen den Atem.

00:06:55: Nicht dass er Yonte vergessen hatte Nicht, dass er sich nicht an diesen Augenblick in seinem Leben hätte erinnern können.

00:07:02: Nein!

00:07:03: Er wollte es nicht.

00:07:05: Er hatte dieses Erlebnis so tief in sich begraben weil es ihm alle Lust am Leben nahm.

00:07:13: Weil er seinen Bruder fortan so sehr vermisste und weil er sich die Schuld an seinem Tod gab.

00:07:21: Es schüttelte ihn.

00:07:22: Tränen rannen unaufhörlich über seine Wangen hatte er das Gefühl, dass es hier und jetzt gerade heller geworden war in seinem Herz.

00:07:36: Dass er alles zum ersten Mal in einem anderen Licht betrachtete!

00:07:43: So viele Jahre hatte er sich von Yontes Tod abgelenkt – alles vor sich selbst verschlossen.

00:07:50: Jetzt stand er wieder an dessen Grab.

00:07:53: In jenem Jahr als er selbst fünfzehn gewesen Und Jonte mit nur sieben Jahren verstarb.

00:08:01: Der alte Pimpf schluchzte, Mit dem Teenager-Pimpf Die Tränen von damals und heute.

00:08:07: Sie wollten nicht versiegen.

00:08:10: Jonte war eines Morgens einfach nicht mehr aufgewacht Ein Morgen nachdem der ältere Bruder seinem jüngeren noch eine Gruselgeschichte vorgelesen hatte Weil Jonte ihn immer wieder darum bat.

00:08:23: Er bettelte.

00:08:24: Er liebte diese Geschichten, wie Gespenster aus den Schränken kamen, wie Lichter ihre Schatten warfen und gruselige Geräusche machten.

00:08:34: Arthur übertrieb es nie – auch bemühte er sich Jonte nie zu verschrecken!

00:08:40: Arthur wusste um das Zart der Herz seines kleinen Bruders Und Jonte wusste die Stärke seines großen Brudders.

00:08:52: Arthur zuckte zusammen.

00:08:54: Woher war denn?

00:08:55: Dieser Gedanke gekommen, verstohlen sah sich der erwachsene Arthur um.

00:09:01: War das sein Gedankel?

00:09:04: Er blickte zu Lulu – doch sie bewegte sich kaum!

00:09:07: Nur vage waren ihre Umrisse zu erkennen.

00:09:11: Schwer zu sagen ob sie wirklich noch bei ihm war und zu ihm gehörte.

00:09:17: Verlass mich nicht, dachte Arthur.

00:09:20: Nicht du auch noch, flüsterte er bei sich.

00:09:25: Er erinnerte sich wie glücklich Jonte an jenem Abend eingeschlafen war und wie bitterlich seine Eltern weinten, als Arthur am nächsten Morgen erwachte.

00:09:38: Er hatte Jonte nie wieder gesehen.

00:09:40: Seine Eltern ließen es nicht mehr zu.

00:09:43: So blieben seine letzten Erinnerungen das friedliche Ein- und Ausatmen des Bruders – dieser letzte Blick zurück bevor er die Tür zu dessen Zimmer schloss.

00:09:55: Selig war Weil du ihn glücklich gemacht hast, hörte er eine Stimme in seinem Kopf und zuckte abermals zusammen.

00:10:05: Er wischte sich Tränen von den Wangen und suchte um sich herum nach dem der zu ihm flüsterte.

00:10:14: Das konnte doch unmöglich zu seiner Erinnerung gehören.

00:10:19: so hatte er noch nie auf den Abschied von seinem Bruder geschaut.

00:10:23: Stets waren da nur Schuld und Sühne, kein einziger positiver Gedanke rückte alles in ein anderes Licht.

00:10:33: Er blickte auf das Grab, blickten in sein Herz und in den letzten Moment, den er mit Jonte verbracht hatte.

00:10:42: Niemand anders war zu sehen, niemand wohnte beiden Zähnen bei –.

00:10:48: verwirrt blieb Arthur zurück, zerrissen von Gefühlen die er kannte Und von solchen, die nun vollkommen neu aufgeheimten.

00:10:58: auf einmal war da Licht im Dunkel.

00:11:03: Wieder fiel sein Blick auf seinen Unruhrgeist.

00:11:06: Lulu hob ihren Kopf oder zumindest das was man als solchen vermuten musste.

00:11:13: Lulu sah ihn an und nickte ihm zu ein Nicken dass ihm Zuversicht sannte.

00:11:20: Ein wenig blasser war sie vielleicht aber immer noch da.

00:11:25: Sie bedeutete Arthur, dass er nicht allein war.

00:11:30: Jetzt, da zum ersten Mal etwas fand, das er in seinem Leben nie gesehen hatte – das ganze Bild!