HörGut | Wolkensein, Tiefseemein, Erdendein

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Transkript

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00:00:00: Kapitel neunzehn.

00:00:02: Ist das schön, euch zu sehen?

00:00:05: Rief eine gemütliche Runde frau von ihrem Fenster aus.

00:00:09: Sie war mit der Sechzig und trug ein rostrotes Kortkleid.

00:00:13: Die großen Taschen auf ihrer Brust ließen ihren Busen noch üppiger wirken.

00:00:18: Feulig winkte sie Annie, Beno und Tinos herein – kaum dass diese auch nur einen Fuß aus ihrem Auto gesetzt hatten!

00:00:25: Für ihr Alter trug sie eine überraschend pfiffige Frisur halb langes dunkelblondes Haar bis zu den Ohren, schwungvoll in Wellen gelegt.

00:00:35: Ich habe Kekse gebacken und Kakao aufgesetzt!

00:00:37: Los kommt rein!

00:00:38: Kommt rein.

00:00:39: die Tür ist offen.

00:00:40: lasst euch ein bisschen verwöhnen.

00:00:42: Oma Rief Tinos überglücklich und flittte in den Hausflur des Reihenhauses die halbe Treppe hoch.

00:00:49: Nur wenige Sekunden später hing er selbst neben seiner Großmutter auf dem Fensterbrett.

00:00:55: Sie zwickte ihrem Enkel in die Nase, knutschte ihm die Schläfe und Tinos kuschelte sich mit einem Honigkuchenpferd Grinsen an den weichen Arm seiner Oma.

00:01:05: Na?

00:01:07: So richtig krank wirkste nicht?

00:01:09: Leonore zwingerte ihr Beno zu!

00:01:12: Naja, so richtig krank bin ich ja auch nicht.

00:01:16: Gab diese zurück und streckte ihrem Schwiegersohn-Kokett die Zunge entgegen.

00:01:20: Annie riss hilflos ihre Arme in die Luft.

00:01:24: Und warum sind wir dann gekommen?

00:01:26: Reizend mein Kind!

00:01:28: Reitzend kam es lachend aus dem Fenster – das ist doch wahre Wiedersehensfreude.

00:01:34: Annie verdrehte die Augen.

00:01:35: sie und ihre Mutter waren Grundverschieden Während Leonore immer alles furchtbar easy nahm, während für sie ein Gut stets gut genug war.

00:01:46: Während Sie die Menschen so sein ließ wie sie nun mal waren suchte Annie nach Perfektion.

00:01:53: Gläser und Teller hatten beim Essen so und so an ihrem Platz zu stehen.

00:01:57: eine Familienfeier musste so undso organisiert werden.

00:02:00: Eine Urlaubsreise hatte früh am Morgen zu beginnen damit man nicht in den Stau geriet.

00:02:05: Und wer?

00:02:06: wenn irgendetwas Anis pinible Pläne durchkreuzte.

00:02:10: Gott bewahre!

00:02:11: Aber der Stau ist doch das Witzigste am Ganzen, hatte Leonore sie seit Kindesbeinen angeneckt.

00:02:18: Da kommt eine Familie mal ins Schwarzen da kann sich nicht aus dem Weg gehen.

00:02:23: Stets und ständig fand Leonore positive Perspektiven auf die Welt Doch kurioserweise hatte diese Grundhaltung nie wirklich auf Annie abgefärbt.

00:02:34: Viel mehr nervte es sie kolossal, genau dort nach Frohsinn und Heiterkeit zu suchen, wo ihr nach Motzen und Mosan zur Mute war.

00:02:44: Spannenderweise ähnelte Beno ihrer Mutter vielmehr – vielleicht war ja doch was dran, dass man sich in seinem Partner auch immer ein Stück weit seine Eltern aussuchte!

00:02:55: Sie holte erneut tief Luft, warf die Autotür zu und folgte ihrem Mann ins Treppenhaus das angesichts der sommerlichen Wärme eine angenehme Abkühlung bot.

00:03:06: Sie betrat die Wohnung, die niemals ihre eigene gewesen war, denn Leonore hatte sich vor zehn Jahren von Anis Vater scheiden lassen.

00:03:15: Zu Miese Petrich – hatte sie nach zweiunddreißig ihr Jahren beschlossen – war ausgezogen und in ein Hochpartehr mit Garten gezogen.

00:03:23: Nicht dass sie dieses Kleinot farbenfrohe Pflanze hätte!

00:03:28: Viel zu viel Arbeit befand sie und legte lediglich eine Grünfläche an, auf der die Kinder nach Lust und Laune toben konnten.

00:03:35: Das Leben ist zu kurz um es mit dem Verhetscheln von Blumen zu verbringen stellte Leonore entschieden fest.

00:03:42: Umso lieber stand sie stundenlang in der Küche.

00:03:47: Sie buch- und köchelte.

00:03:48: sämtliche Süßspeisen waren ihr eine Herzensangelegenheit.

00:03:53: Ihre gesamte Kindheit über hatte Annie wie ein Bäckersladen gerochen.

00:03:58: Nie hatte sie den Duft aus ihrem Haar bekommen, wie oft auch immer sie es wuscht!

00:04:03: Allerdings – und das musste auch Annie eingestehen – ihre Mutter war eine wahre Zauberin in der Küche.

00:04:09: Kekse, Kuchen, Gebäck, Eis, Pudding, Joghurt.

00:04:14: was Leonore zubereitete wurde zu einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis.

00:04:20: Nach heute katapultierten sie die Gerüche von damals zurück in ihre Vergangenheit, egal wann und wo sie sie wahrnahm.

00:04:29: Als Anne das Wohnzimmer betrat, sah sie zunächst nur den Rücken ihrer Mutter.

00:04:34: Leonore kniete einbeinig auf einem gepolsterten Stuhl – das andere Bein stand – in eine Schiene verpackt auf dem Boden.

00:04:42: Tinos hatte sich einen zweiten Stuhl ans Fenster gezogen und seinen kleinen Körper neben den recht opulenten seiner Großmutter gequetscht.

00:04:51: Beno klapperte mit irgendetwas in der Küche.

00:04:55: Hallo Mutter, sagte Annie und lächelte.

00:04:58: Grundsätzlich verstanden sich die beiden Frauen gut.

00:05:01: Sie führten eine liebevolle Beziehung besaßen nur eine komplett andere Einstellung zum Leben.

00:05:07: Hallo mein Kind.

00:05:09: Leonore schnappte sich ihre Krücken, humpelte Flugs auf Ani zu und umarmte sie.

00:05:14: Wärme durchströmte Anis Körper gepaart mit tiefer Wohligkeit.

00:05:20: Fast hätte sie ihre Sorgen um Wilma vergessen die inzwischen gemeinsam mit Helmi im Zug sitzen sollte und noch immer nicht an ihr Handy ging.

00:05:30: Na, bemerkte Leonore sofort Irgend ein Pups sitzt dir doch quer mein Liebes oder?

00:05:38: Tinos hing am gesunden Bein seiner Großmutter und Kicherte.

00:05:42: Klar, dass der kleine den losen Jagon seiner Oma verehrte.

00:05:47: Mutter stöhnte Annie – nicht vor dem Jungen!

00:05:51: Warum nicht?

00:05:52: Ein Pups ist ein Pups und etwas sehr Natürliches.

00:05:56: Und was raus muss, muss raus, bestimmte nun auch Tinos und setzte ein klares Zeichen dafür wie oft sie dieses Gespräch schon geführt hatten in exakt denselben

00:06:07: Worten.".

00:06:08: Annie gab auf und jenes Einlenken erinnerte sie stark an Diskussionen, die sie mit Beno führte.

00:06:16: Es war dieselbe Ohnmacht!

00:06:19: So nun setzt euch erstmal.

00:06:21: Erzählt wie es euer Gang ist.

00:06:22: Gab's Stau unterwegs?

00:06:23: Habt ihr mal ein ordentliches Gespräch geführt?

00:06:26: Nein, rief Beno aus der Küche und gesellte sich mit Kakao- und Keksen zu ihnen.

00:06:32: Es ging alles ratzfatz.

00:06:34: Schade, resümierte Leonore aufrichtig betroffen.

00:06:38: Dann holen wir das jetzt nach.

00:06:40: Wer ist denn für deinen Pups verantwortlich, mein Kind?

00:06:44: Sie sah Annie über ihre runde Harry Potter-Brille hinweg an.

00:06:49: Wimmer!

00:06:50: Platzte es aus Tinos heraus.

00:06:52: Beno und Leonore lachten im Chor.

00:06:54: Annie konnte dem Ganzen wenig Lustiges abgewinnen.

00:06:58: Und was hat unser Wanderwind getan, meinen Krümel?

00:07:02: fragte die Frau mit den roten Pausbacken nun an ihren Enkelgewandt.

00:07:07: Frag lieber, was sie nicht getan hat", antwortete Beno stellvertretend für seinen Sohn und deutete mit dem Kopf in Annis Richtung.

00:07:17: Sie ist mit Helmi auf dem Weg nach Lummellunder und wir erreichen sie gerade nicht gab Annie zur Antwort.

00:07:23: Warum willst du sie dann erreichen?

00:07:25: fragte Leonore aufrichtig interessiert.

00:07:29: Ihre Tochter atmete einmal schwer durch und strich sich ihr Kleid zurecht.

00:07:33: die Ähnlichkeit zwischen ihrer Mutter und ihrem Mann war wirklich frappierend.

00:07:39: Ich geb's auf, erwiderte Annie und schnappte sich einen Keks.

00:07:43: Du machst dir Sorgen, dass die beiden Mädels nicht heil auf Gotland ankommen oder?

00:07:48: Vertrauen!

00:07:50: Wilma und Hami sind für ihr Alter cleverer als ihnen manchmal guttut.

00:07:55: Sie schmunzelte und wieder lag dieses Grundvertrauen in eine ganze Welt im Leonores Gesicht – diese wird schon Attitüde.

00:08:05: Die Annie nur allzu oft in ihrem Leben gesehen

00:08:07: hatte.".

00:08:09: Wann hat dich Wilma schon jemals enttäuscht, vervollständigte Annie den Satz ihrer Mutter?

00:08:14: Ich weiß.

00:08:16: Na siehst du!

00:08:17: Da ma Brust raus und Mundwinkel nach

00:08:19: oben.".

00:08:20: Nun war es Annie die Schmunzeln musste denn exakt diese Worte benutzte sie selbst gern Wilma gegenüber wenn diese ihre schlechte Laune mit nach Hause brachte.

00:08:31: Ganz spurlos war Leonores Positivismus also doch nicht an ihr vorbeigegangen.

00:08:37: Während nun alle an ihrem Kakao nippten und Kekse knabberten, flitzte Tinos in den Flur, schnappte sich seinen Rucksack und zauberte ein Buch hervor.

00:08:48: Ist das nicht Wilmers Zeichenheft stellte Benow verwundert fest?

00:08:53: Ja!

00:08:54: Sie hat es mir gegeben damit ich Oma ihre neuesten Bilder zeige, sagte der kleine Mann sichtlich stolz da ihm eine so verantwortungsvolle Aufgabe übertragen worden

00:09:03: war.".

00:09:05: Oma und Tinos begannen in dem Buch zu blättern.

00:09:09: Beno vertiefte sich in die aktuelle Zeitung, auch Annie begann sich allmählich zu entspannen.

00:09:16: Die Ruhe ihrer Familie war ansteckend – und Wehmer tatsächlich ein umsichtiges Ding!

00:09:21: Manchmal viel zu besonnen dachte Annie als ihr Telefon klingelte.

00:09:26: Eine ihr unbekannte Nummer.

00:09:29: Sie drückte den grünen Button und nahm den Anruf entgegen.

00:09:34: Sagen sie hieß es am anderen Ende der Leitung Schlutrich von der Bahn hier.

00:09:39: Ist das richtig, dass Ihre Tochter und deren Freundinnen nun doch nicht mit uns auf Zugreise gegangen sind?

00:09:45: Wir wären Ihnen wirklich dankbar gewesen sie hätten uns vorab darüber informiert.