00:00:00: Kapitel fünfzehn.
00:00:03: So, ihr geht dann nachher zum Hauptbahnhof, steigt siebzehn und siebenundfünfzig in den Zug auf Gleis vier!
00:00:10: Ja, Mama, wie oft willst du uns das noch sagen?
00:00:14: Siebzehnt, siebundfünftig, vier.
00:00:16: Längst gecheckt und längst gespeichert.
00:00:20: Wilmar Helmi und Annie standen im Flur ihrer Wohnung.
00:00:24: Beno und Tinos hatten sich bereits verabschiedet und waren zum Auto runtergelaufen.
00:00:29: Annie konnte sich einfach nicht trennen.
00:00:32: Habt ihr auch alles?
00:00:34: Proviant für die Fahrt.
00:00:35: Wasser!
00:00:37: Hämie spielte einen Schreck, schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn... Oh nein!
00:00:44: Wir werden verdursten klar!
00:00:46: Wasser!
00:00:47: Wie konnten wir Wasser
00:00:48: vergessen?!
00:00:49: Die beiden Mädchen bogen und kringelten sich vor Lachen und warfen sich ein High Five entgegen.
00:00:56: Annie überhörte den Joke und ging weiter ihre Liste durch.
00:01:00: Sie gab ihnen ein Blatt Ihr müsst nirgends umsteigen.
00:01:04: Es ist ein Nachzug, aber es sind satte siebzehn
00:01:08: Stunden.".
00:01:09: Warte!
00:01:10: Wir sollen so lang ganz allein
00:01:12: bleiben?"
00:01:13: flötete Wilmer mit großen Kuleraugen und klimpernden Wimpern und miemte so die Ängstliche.
00:01:19: Natürlich nicht alleine stöhnte Annie.
00:01:22: Ich habe euch doch schon x-mal gesagt dass die Zugbegleitung für euch da ist.
00:01:26: Die meiste Zeit werdet ihr eh schlafen.
00:01:29: Wieder fingen die Mädchen an zu lachen.
00:01:30: Genau, Mama, gluckste Wilma!
00:01:33: Du hast es hundertfach gesagt.
00:01:37: Ihr seid unmöglich ihr beiden.
00:01:39: Annie war genervt und konnte sich einfach nicht entspannen.
00:01:43: Werdet ihr mal Mütter?
00:01:44: Dann versteht ihr mich.
00:01:46: Annie, kommst du endlich?
00:01:49: rief es im Treppenhaus.
00:01:51: Wenn was?
00:01:51: Papa Beno wurde allmählich ungeduldig Ja, schrie Annie zurück.
00:01:57: Ihr Nervenkostüm war zum Bärsten gereizt.
00:02:00: Und in Stockholm werdet ihr von den Molanders abgeholt, da bleibt hier eine Nacht und fährt am nächsten Tag mit der Fähre rüber nach Gotland – sagte sie nun etwas ruhiger an die Mädchen gewandt.
00:02:13: Beide nickten brav, sie wollten an ihn nicht noch mehr strapazieren.
00:02:17: Nicht dass er sich noch anders überlegte und bei ihnen blieb!
00:02:23: Annie atmete einmal theatralisch durch, vor sich durch ihre blondes dünnes Haar und inspizierte Helmie und Wilma noch einmal ganz genau.
00:02:32: Dann nahmen sie beide gleichzeitig in die Arme, knutschte Wilma auf die Wange, wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und verschwand im Treppenhaus.
00:02:41: Wilma winkte ihr hinterher, schloss die Tür und beide Mädchen sanken lachend wie erleichtert mit dem Rücken an der Tür in die Hocke.
00:02:51: Ich dachte, echt sie bleibt!
00:02:52: witzelte Helmi.
00:02:54: Für Sie sind wir immer noch Babys, gab Wehmer zurück.
00:02:58: Mütter!
00:03:00: Wir hatten beide gleichzeitig, rappelten sich auf und rannten in Wehmers Zimmer, indem zwei gepackte Rucksäcke standen – mit Wechselklamotten, mit Waschtasche essen und trinken.
00:03:10: Beide schmissen sich rücklings auf das Bett, versanken ihn den Kopfkissen und starten an die Decke.
00:03:16: Helmi's große türkisfarbene Glitzersteine, die sie heute in den Urläppchen trug waren ein wunderbarer Kontrast zum Weiß der Bettwäsche.
00:03:26: Herrlich abgestimmt auf ebenso türkisfarbene Socken mit Melonenmuster!
00:03:32: Drei Stunden blieben ihn noch bis zur Abfahrt.
00:03:36: Gerade wollte Wilma Helmi den blauen Fleck an ihrer Wand zeigen – den Sie nicht kannte?
00:03:41: Da blinkte Wilmas Handy.
00:03:44: Sie stellte es immer auf lautlos, was einen permanenten Disput mit ihrer Mutter nach sich zog.
00:03:49: Du gehst nie an dein Telefon!
00:03:51: beschwerte sie sich ohne Unterlass und du rufst viel zu oft an war Wilmers Antwort in Dauerschleife.
00:03:58: Wilmer hielt Helmi das Display entgegen und zeigte ihre Freundin wer da drei Minuten nach ihrer Verabschiedung anrief.
00:04:06: wieder mussten beide lachen.
00:04:08: Wilmar nahm ab.
00:04:10: Ja Mama fragte sie mit gespielter Neugier.
00:04:14: Am anderen Ende war Annie total aufgelöst.
00:04:17: Ich habe eure Fahrkarten in meiner Manteltasche gefunden, wir drehen um!
00:04:21: Wir kommen
00:04:21: zurück!".
00:04:22: Nicht nötig Mama, entgegnete Wilma gelang weit.
00:04:26: –Ich zieh sie mir aus der App?
00:04:28: Ach so… ja … Annie stutzte.
00:04:32: Auf die Idee war sie in ihrer mütterlichen Panik gar nicht gekommen.
00:04:36: Sie schien wirklich durch den Wind, dachte Wilma.
00:04:41: –Mama jetzt macht ihr doch bitte keine
00:04:43: Sorgen.".
00:04:43: schub sie deshalb versöhnlicher hinterher.
00:04:46: Wir sind schon große Mädchen und wir schaffen
00:04:48: das.".
00:04:49: Am anderen Ende hörte sie ihren Vater sagen, jetzt legt schon auf!
00:04:54: Und lasst den beiden ihr Abenteuer.
00:04:57: Tschüss meine Süße, flüsterte Anni ins Telefon einem neuen Tränen an Sturm sehr nahe.
00:05:03: Wenn was ist dann rufe ich dich an.
00:05:06: Mama.
00:05:06: vervollständigte Weimar den Satz ihrer Mutter.
00:05:09: Hab' dich lieb?
00:05:10: Ich dich
00:05:11: auch!"
00:05:12: Wollte Annie sagen, aber Wilma hatte bereits aufgelegt und das Handy zwischen ihre Beine aufs Bett geschmissen.
00:05:19: Sie ergriff Helmi's Arm und zog ihre Freundin unters Hochbett.
00:05:24: Schau dir das mal an!
00:05:26: Wilma zeigte auf einen riesigen blauen Fleck den sie in den Schichten ihrer Tapete freigelegt hatte.
00:05:34: Weißt du wann ich das gemalt habe?
00:05:38: Helmi kratzte sich ihr Raspel kurz geschnittenes Haar.
00:05:43: Ich würde sagen Das habe ich noch nie gesehen.
00:05:47: Aber das kann nicht sein, entgegnete Wilmer!
00:05:50: Das Bild muss von mir sein.
00:05:53: Wer sollte es sonst gemalt haben?
00:05:56: Vormieter vielleicht?
00:05:57: Nein – Ich weiß dass hier der Backstein frei lag als meine Eltern eingezogen sind.
00:06:02: Dass sie alles erst verputzen und tapezieren mussten.
00:06:05: Sehr merkwürdig räumte Helmi ein und spielte an ihren Ohrsteckern.
00:06:10: Wir können's ja auch nicht beide vergessen haben.
00:06:13: Nachdenklich strich sie mit der Hand über die blaue Farbe.
00:06:17: Sie wirkte frisch, fast feucht.
00:06:22: Instinktiv besah sich Helmi ihre Finger und Rieb sanft Daumen- und Zeigefinger aneinander so als wenn Farbe zwischen den Hautflächen hätte sein müssen!
00:06:32: Es wirkt ziemlich echt oder?
00:06:35: fragte Wilmer.
00:06:36: Allerdings bestätigte Helmi Als würden wir direkt in den Ozean schauen.
00:06:43: Wilmer kam nun ganz nah mit ihrer Nasenspitze an die Tapete.
00:06:47: Man kann das Wasser sogar riechen!
00:06:50: Behutsam glitten ihre Fingerkuppen über die Wand und plötzlich erwischte Wilmer ein déjà vu.
00:06:57: Sie fühlte dasselbe wie damals im vergangenen Sommer, als sie mit Kalle in sogenannten Zwischenräumen gelandet war – Aufenthaltsorte zwischen Himmel und Erde dessen Wände wie Gumminachgaben bis man ganz durch sie hin durchgehen konnte.
00:07:16: Sie nahm die Hand von der Tapete, starte sie an und hatte tatsächlich feuchte leicht blaue Flecken an den Fingern.
00:07:25: Helmi staunte – Von wann soll das Bild sein?
00:07:30: Blau kann doch unmöglich heute noch färben!
00:07:34: All die Bilder, die ich davor freigelegt habe sind vor fünf, sechs Jahren Minimum.
00:07:41: Entsprechend müsste dieses noch älter sein.
00:07:45: Erneut strich sie mit der Hand über die Farbe und diesmal kam Bewegung in das Bild.
00:07:52: Helmi entwicht ein Quicken, und Wilmar zog ihre Hand zurück.
00:07:56: – Hast du das gesehen?
00:07:58: fragte sie ihre Freundin.
00:08:00: Helmin nickte so zögerlich wie unglaubig und strich ihrerseits erneut über die Wand.
00:08:07: Das Bild verfestigt es sich!
00:08:09: Das was da eben möglicherweise Fluide geworden war erstarrte.
00:08:14: Beide Mädchen nahmen einen rasanteren Herzschlag auf und witterten etwas Großes, ein Geheimnis, dem sie auf der Spur waren.
00:08:24: Nach ihren Abenteuern im vergangenen Sommer in den Wolken hielt sich Wilma jetzt nicht mit etwaigen Fragestellungen auf – ob und warum sich Bilder an einer Wand bewegen konnten!
00:08:34: Vielmehr gingen Sie der Sache direkt auf den
00:08:36: Grund.".
00:08:38: Helmi schien von der Entschlossenheit ihrer Freundin so fasziniert, dass sie nicht einmal hinterfragte was hier geschah.
00:08:46: Los fast die Wand nochmal an!
00:08:48: Schlug sie Wilma vor.
00:08:50: Es scheint als hättest du den richtigen Code in den Fingern.
00:08:55: ist ja auch deine Wand.
00:08:57: So hatte Wilma das noch gar nicht gesehen.
00:08:59: Sie legte ihre Hand erneut auf das Blau.
00:09:03: Augenblicklich kamen die unterschiedlichen Farbtöne in Bewegung, bildeten kleine Strudel und Wirbel, changierten in verschiedene Schattierungen von blau – mal dunkler, mal heller – fast konnte man sich in der Tiefe dieser Farben verlieren.
00:09:20: Die Fläche, die in eine Art Fluss geriet wurde allmählich größer und plötzlich meinten beide Mädchen gar ein Rauschen zu vernehmen!
00:09:33: Intuitiv zog Wilma ihre Hand zurück.
00:09:36: Helmi aber hielt sie fest und drückte sie in die Wand!
00:09:40: Jetzt war es Wilma, die kwiegte, denn ihre Fingerspitzen versanken tatsächlich im Blau der Tapete – und sie fühlte Nässe auch Wärme.
00:09:53: Sie währte sich gegen Helmis Druck, versuchte ihre Hand zu ziehen, aber ihre Freundin entwickelte erstaunliche Kräfte.
00:10:01: Da machte sich wohl das Yudu-Training bemerkbar, dass Helmi seit einigen Monaten besuchte.
00:10:06: Jetzt sei nicht so eine Maus, befahl sie Barsch!
00:10:09: Reiß dich zusammen.
00:10:10: oder bist du nicht neugierig was hier gerade passiert?
00:10:15: Nicht zum ersten Mal war Wilma mehr als beeindruckt von dem Mut den Helmi an den Tag legte.
00:10:23: Wenn nichts wagt der nichts lernt.
00:10:26: Sie hielt Wilmers Handgelenk noch fester und ganz allmählich versank deren ganze Arm bis zum Ellenbogen in der Wand, mit ihm auch Helmi's Finger.
00:10:38: In diesem Moment erschrak Helmi nun doch ein bisschen und lockerte ihren Griff – Der Arm löste sich aus der Wand und aus dem Wasser wurde erneut Blaues Mauerwerk.
00:10:49: Was passiert hier?
00:10:52: Wollte Helmi wissen!
00:10:54: Ich weiß es nicht, entgegnete Wilma wahrheitsgemäß.
00:10:57: Sie war aufgeregt bis in die Spitzen ihres baunen Pferdeschwanzes.
00:11:02: Seit ihrer Rückkehr aus Wolkenheim hatte sie sich gefragt ob sie je wieder in ein solches Abenteuer geraten würde – heute nun schien dieser Tage kommen!
00:11:12: Ihr Mund füllte sich mit Spucke, sie leckte sich angespannt die Lippen, spürte den unruhigen Rhythmus ihres Herzens und zwang ihre Hand erneut in die Wand Diesmal schon sehr viel bestimmte.
00:11:27: Das Portal in die tiefblaue Flüssigkeit öffnete sich erneut, um Wilmers Arm bis zur Schultergar zu verschlucken.
00:11:38: Versuch du es auch mal, empfahl sie ihrer Freundin.
00:11:41: und schon steckten auch Helmys Hände in der Wand.
00:11:45: Neugierig schwenkte sie sie in der blauen Tapete umher und erwartete so etwas wie triefende Tusche an ihren Händen zu sehen, aber nichts dergleichen geschah.
00:11:57: Sie blieben sauber, waren lediglich nass.
00:12:02: Hemmi ließ ihre Finger tanzen und bewegte dann ebenso schwungvoll ihre Hüfte.
00:12:08: Ermehlig genoss sie das unwirkliche Schauspiel und Wilma tat es mit ihr.
00:12:13: Stück für Stück schoben sich beide Körper weiter in das Blau bis Wilmar sie plötzlich zurück hielt.
00:12:22: Wie wollen wir dort drinnen eigentlich atmen?
00:12:26: Verdammt!
00:12:27: Daran hatte Helmi auch nicht gedacht.
00:12:29: Warte, entschied sie todesmutig und schob ohne Vorwarnung nur ihren Kopf in die Wand.
00:12:36: Will man in Vorvorschreck ein Schrei?
00:12:37: fünf viel zu lange Sekunden später war Helmi mit einem breiten Grinsen zurück das Gesicht voller Tropfen.
00:12:45: Es ist nur eine Wasserwand so ne Art Vorhang.
00:12:49: dahinter können wir atmen.
00:12:51: Allerdings ist es total dunkel.
00:12:54: Wilma musste sich kurz sammeln, du bist die wahnsinnigste Nudel, die ich kenne!
00:13:00: entschied sie immer Kopf über ins Blaue.
00:13:04: Sie schüttelte hilflos ihren Kopf nahmen einen tiefen Atemzug und tat es ihrer Freundin gleich.
00:13:12: wenig später hingen beide in der Wand und sahen sich neugierig um.
00:13:16: Es war stockdunkel.
00:13:18: Das einzige, was beide Mädchen deutlich erkannten waren ihre Arme und Hände sowie das Gesicht der jeweils anderen.
00:13:27: All diese Körperteile ragten nach innen aus dem Wasserfall direkt ins Schwarze.
00:13:35: Kannst du sehen ob es hier einen Boden gibt?
00:13:37: wollte Helmi wissen?
00:13:39: Wilma schüttelte ihren Kopf und suchte tastend unter sich nach halt jedoch vergebens Scheint kein Boden in greifbarer Nähe zu sein, stellte sie fest.
00:13:50: Sie zogen sämtliche Körperteile aus der Wand und setzten sich im Schneidersitz einander gegenüber.
00:13:57: Die Tapete verfestigte sich wieder Und beide beratschlagten wie sie vorgehen wollten.
00:14:04: Okay wir sind uns einig dass wir da rein wollen oder?
00:14:07: fragte Wilmer.
00:14:09: Zwei nasse Köpfe nickten.
00:14:11: Gut dann sehe ich nur eine Möglichkeit resümierte Helmi Augen zu Und los!
00:14:18: Aber was, wenn wir vier Stockwerke runterfallen und uns das genickt brechen?
00:14:24: Darauf wusste Helmi keine gute Antwort.
00:14:26: Sie schnappte sich stattdessen ihr Handy, schaltete die Taschellampe ein, strebte in Richtung Loch und stieß sich ordentlich den Kopf.
00:14:34: Die Wand war erneut verschlossen.
00:14:38: Fluchend rieb sich Helmi die Stirn.
00:14:40: Shit – ich hab vergessen dass nur du sie öffnen kannst.
00:14:44: Weimar konnte sich einen Lachen nicht verknifen.
00:14:47: ist nicht immer ideal, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.
00:14:51: Ha ha!
00:14:52: gab Helmi mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück.
00:14:56: Wilmar führte eine Hand in die Wand und sagte bitte schön madame darüber reden wir noch.
00:15:03: freulein drohte helmi warum du Wände verflüssigen kannst und das nicht mal hinter fragst.
00:15:11: Wilma zwingerte ihr Aufmunt dann zu.
00:15:14: na los missgunst sie nach.
00:15:19: Hemi warf ihr einen nicht ernst gemeinten, bösen Blick zu und verschwand mit dem Oberkörper in der Wand.
00:15:26: Bis zum Bauch steckte sie in der Dunkelheit und versuchte sich im Schein das Taschenlichtes etwas mehr Überblick zu verschaffen.
00:15:33: doch nirgends wollte er eine Form oder eine Fläche zeigen.
00:15:39: Sie sah sich oben unten rechts links um.
00:15:42: alles blieb dunkel.
00:15:45: Gerade als sie sich enttäuscht zurückziehen wollte Tanzte ein kleines Blitzen direkt unter ihr.
00:15:53: Erst schien es weit weg, dann kam es in Schleifen näher und verschwand wiederum in der Finsternis.
00:16:01: Kommt zurück!
00:16:02: flüsterte Helmi dem Licht hinterher und spürte einen Kitzeln auf ihren Fußsohlen das Zeichen dass Wilma ungeduldig hinter der Wand auf Neuigkeiten wartete.
00:16:12: Wir springen also ins Bodenlose, fasste Wilma ihre Situation zusammen.
00:16:21: Helmi nickte und sagte, wie wäre es wenn wir stattdessen ein Seil spannen?
00:16:28: Und uns daran herunterließen.
00:16:31: Es war erstaunlich, wie gut Helmys Verstand arbeitete, wenn sie etwas unbedingt wollte!
00:16:36: Spitzenidee rief Wilmer und war bereits auf ihren Socken in Richtung Küche gesegelt wo sie im Haushaltsschrank ein dickes Tau gesehen hatte.
00:16:46: Sie griff in den Schrank, schnappte sich das Seil und flitzte zurück in ihr Zimmer um den Strick mit gekonnten Knoten an einem der Beine ihres Hochbettes zu befestigen.
00:16:57: In den Ferien waren sie ein-zwei Mal vor Gotland gesegelt und Papa Beno hatte ihr Seemannsknoten gezeigt.
00:17:05: Beide Mädchen hingen sich mit ihrem ganzen Gewicht ins Seil.
00:17:10: Als sie es für sicher befunden hatten, griff Wilma erneut in die blaue Fläche an der Wand und ließ den Strick dahinter in die Tiefe fallen.
00:17:19: – Sollen wir?
00:17:22: fragte Wilma.
00:17:24: Wir sollen!
00:17:25: entschied Helmi.
00:17:26: Ohne zu zögern verschwand sie als Erste in der Wand, während sich das Seil unter ihrem Gewicht straffte.
00:17:34: Als Helmys Haarstoppeln in Gänze verschwunden waren, fasste sich auch Wilma ein Herz und folgte ihrer Freundin in die Wand.
00:17:45: Vor genau einem Jahr hatte sie in einer ähnlichen Situation keine Wahl gehabt, vor genau einem Jahre war sie von Ulyana nach Wolkenheim entführt worden.
00:17:58: Diesmal nun entschied sie sich bewusst – und vollen Verstandes für einen Ausflug dessen Ziel sie nicht kannte.
00:18:07: Rückwärts entließ sie sich selbst ins Seil umklammerte es nicht ohne Angst und glitt an ihm hinab.
00:18:15: Stück für Stück passierte ihr Körper den nassen Vorhang, und rutschte dann ins Nichts.
00:18:22: Kurz zog sie sich noch einmal hoch und regte ihre Hand nach einem Stift der an einen Notizblock geklemmt neben der Wand lag.
00:18:31: Sicher ist sicher, dachte sie sich.
00:18:34: Der letzte Blick in Ihr Zimmer galt ihren Rucksäcken verbunden mit der Überlegung ob Sie sie wohl brauchen würden.
00:18:42: Sie entschied sich dagegen und übersah dabei ihr aufgeregt blinkendes Handy am Bettende, auf dem ein weiterer lautlose Anruf ihrer Mutter einging.